Kapitel 5 – Die Spur

Das Stadttor der Nekropole Falkenbach öffnet sich, als Xenos und Nekomaru sich ihm nähern. Auf der gegenüberliegenden Seite warten bereits einige Bürger. Freudige Aufregung zeichnet ihre Gesichter. Von den Mauern her blicken mit Bögen bewaffnete Skelette auf sie herab. An anderer Stelle arbeiten lebende und verstorbene Stadtbewohner Hand in Hand an der Restaurierung der Zinnen.

Die beiden Kinder passieren das Tor, hinein in ihre neue Heimatstadt. Sofort werden sie herzlich in Empfang genommen. Ihre Rückkehr wird von der Menge wie die Ankunft eines Helden oder eines Königs gefeiert. Xenos ist das unangenehm. Der Junge steht nicht gern im Zentrum der Aufmerksamkeit. Er hat seine Bürger bereits mehrfach gebeten, ihn wie ihresgleichen zu sehen. Im Alltag funktioniert dies gut, aber in einigen Situationen verfallen sie noch immer ihrer überschwänglichen Freude. Nekomaru hingegen genießt das Spektakel, welches auch ihm gilt.

Zunehmend lässt sich bei den Bürgern jedoch ein fragender Gesichtsausdruck erkennen. Sie sind verwundert, haben sie doch angenommen, dass Xenos und Nekomaru mit den von der Inquisition entführten Bewohnern zurückkehren würden. Der Nekromant seufzt und beginnt eine kurze Ansprache über die Geschehnisse in Moraquell. In diesem Zuge warnt er die Bürger auch erneut vor der Gefahr, die ihnen bald schon gegenüberstehen wird, und ermutigt sie, dass sie diese Situation gemeinsam bewältigen werden.

Plötzlich drückt sich ein dunkelblonder Junge von ungefähr fünfzehn Jahren durch die Menge zu den beiden durch. Es ist Elias, der Druide, der früher im Garten des Stadthauses der Nebraa-Familie in Erah gearbeitet hatte. Zusammen mit der Köchin Zara ist er Xenos‘ Mutter Azarni und ihm nach Falkenbach gefolgt. Er liebt es noch immer unter freiem Himmel zu sein. In der Stadt hat der Junge die Aufsicht über die Grünflächen übernommen und kümmert sich um den dichten Wald und das Gebirge vor und hinter der Nekropole. Außerdem unterstützt er die Bewohner auf den wenigen Anbauflächen und gibt ihnen Tipps für eine nachhaltige und effiziente Nutzung der sie umgebenden Natur.

„Xenos, Nekomaru“, ruft der junge Druide freudig. „Ihr seid zurück. Ich soll euch ausrichten, dass es Besuch gibt, der oben im Anwesen auf euch wartet.“

Der Blick des Nekromanten wandert die Stadt hinauf, durch die belebte Altstadt über den schmalen Pfad höher ins Gebirge zu dem kleinen Teil des Anwesens, welchen man vom Fuße der Stadt sehen kann. Er nickt Elias zu und die beiden folgen dem Bediensteten durch die Stadt.

„Was haben wir verpasst?“, fragt Xenos, während sie die gepflasterten Hauptstraße entlanggehen.

„Nekropole Falkenbach entwickelt sich nach wie vor prächtig. Der Außenposten im Neavor-Gebirge wurde wie geplant fertiggestellt. Einige Männer der Stadtwache haben dort Station bezogen. Sollten sich über den Pass in den Radonum Forst Dämonen nähern, werden wir es nun früh genug erfahren. Die Restauration der Verteidigungsanlagen verzögert sich. Herrin Azarni hat nach den Entführungen durch die Inquisition Männer abgezogen, um die Patrouillen durch den Wald zu verstärken und den Arbeitern vor der Stadt Geleitschutz zu geben.“

Während des Gespräches passieren sie auch die Hauptkreuzung der Stadt. Wie in den meisten Straßen Falkenbachs herrscht auch hier tüchtiges Treiben. In nur einem Monat hat sich die Nekropole stark gewandelt. Sie erlebt eine neue Blüte. Und das obwohl sie schwierigen Bedingungen trotzen muss. Zum Einen bedroht die Inquisition die Stadt aus dem Blutquelltal heraus. Zum Anderen ist der Handel mit den Dunkelelfen aus dem Radonum Forst zum Erliegen gekommen. Die Handelspartner auf der anderen Seite des Gebirges versorgten die kleine Stadt mit allem, was sie nicht selbst produzieren konnten. Seit die ehemals befreundeten Gebiete jedoch in der Hand der Dämonen aus dem Reich der Toten sind, können, dürfen und auch wollen sie mit den Bewohnern der Nekropole keinen Handel mehr treiben. Stattdessen droht der Stadt auch von dieser Seite eine mögliche Invasion. Jederzeit könnte sich ein Heer der Dämonen durch den Pass zu ihnen auf machen. Wahrscheinlicher bleibt aber glücklicherweise, dass bei einem Angriff wohl ein neues Tor ins Reich der Toten direkt im Blutquelltal geöffnet werden würde. Eine große Armee durch den engen und gefährlichen Pass zu schicken wäre in Anbetracht der möglichen Alternativen unnötig und unklug.

Plötzlich schlägt die Tür eines Eckladens auf. Dianas Düfte steht über dem Eingang. Eine eher klein geratene Frau mit langen, welligen Haaren kommt heraus. Ihr Ziel ist Xenos. Bei der Dame handelt es sich um Diana, die Eigentümerin des Geschäftes, welches auf Parfüme und Düfte spezialisiert ist. Ihre graue Haut, ihr eingefallenes Gesicht, die knorrigen Finger und die teilweise kaschierten, doch noch erkennbaren Verwesungsspuren weisen sie eindeutig als Untote aus. Ihr darüber hinaus gut erhaltener Körper lässt aber auch vermuten, dass sie nicht allzu lange tot gewesen ist. Tatsächlich ist Diana eine der ersten Wiedererweckten, die Xenos nach dem Erlernen des Rituals zur Wiedererweckung zurückgeholt hatte.

„Unser Herr ist zurückgekehrt!“, ruft sie freudig, während sie auf den Jungen zuläuft. „Sagt, werdet Ihr auch von Guren begleitet?“

Xenos vermutet zu wissen, weshalb Diana ihn auf Guren anspricht. Die Händlerin versorgt die Stadt seit dem Wegbruch der Handelsbeziehungen im Radonum Forst mit Waren von außerhalb. Die Bewohner können sich selbst versorgen, wenn es darum geht, mit dem Nötigsten zu überleben. Der Aufschwung, seit Xenos in Falkenbach ist, hat jedoch dafür gesorgt, dass der Bedarf der Bürger gestiegen ist. Gerade mit der Rückkehr der Toten kehrten auch Berufe und Aufgaben zurück, die zuvor nicht benötigt wurden. Gute Beispiele hierfür sind Parfümeure wie Diana oder Einbalsamierer.

Xenos schüttelt den Kopf: „Nein, Nekomaru und ich sind heute aus Ramoras zurückgekehrt. Begleitet hat Guren uns nicht.“

„Sie ist noch nicht zurück“, meint Elias.

„Hast du vor, wieder etwas bei ihr zu bestellen?“, fragt Xenos.

„Nein, nein“, meint Diana. „Ich warte auf die letzte Bestellung. Kirschblütenwasser, Hibiskusöl und Rosenholz. Daraus mache ich einen Duft, den man in Falkenbach noch nie gerochen hat!“

„Vermutlich ist sie deshalb noch nicht wieder hier. Ihr gebt ihr Wünsche auf, nach denen sie erst einmal suchen muss“, scherzt Xenos trocken.

„Quatsch“, erwidert Diana und verschränkt die Arme. „Das Wasser und das Öl bekommt sie im Ostkaiserreich und Rosenholz, nun, davon habe ich auch schon einmal gehört.“

Der Junge hebt die Augenbrauen: „Dann wird sie sicherlich demnächst zurückkehren. Ich bin gespannt auf Eure neue Kreation.“

„Ich lasse es Euch wissen“, wirft sie ihrem Gegenüber ein Lächeln zu und verabschiedet sich.

Xenos, Nekomaru und Elias setzen ihren Weg fort.

„Bevor ich es vergesse“, führt Elias seinen Monolog fort, der Xenos auf den aktuellen Stand bringen soll. „Es gibt sechs neue Anfragen zur Wiedererweckung.“

„Ich habe noch ein Vielfaches an offenen Anfragen“, meint Xenos resigniert.

„Die Leute identifizieren immer mehr Körper ihrer Ahnen. Das Wissen der Wiedererweckten hilft ihnen dabei natürlich. Früher oder später werden wir alle Körper aus den Krypten identifiziert haben. Für viele von ihnen wird es wohl Anfragen geben, ihre Seele wieder an die Körper zu binden.“

Nekomaru winkt ab: „Die meisten Überreste in den Krypten waren Knochen. Als Xenos und Lamilia in der Nekropole eintrafen, hat Xenos viele von ihnen aus ihren Ruhestätten erweckt. Die Register, die die Bewohner über den Liegeplatz der Bewohner angefertigt haben, sind damit nicht mehr zu gebrauchen. Nun haben wir Hunderte gleich aussehender Skelette. Unmöglich, sie richtig zuzuordnen.“

„Du könntest sie als Geister zurückholen“, erklingt eine hallende, kindliche Stimme.

Neben den drei Jungen wird der achtjährige Geisterjunge Yuki mit seiner verbrannten Kleidung und dem rußverschmierten Gesicht sichtbar. Der letzte Geist aus Luciens unfreiwilligem Gefolge, dem die beiden nach Xenos‘ Befreiung von Lamilia die Freiheit geben konnten. Er schenkt dem Nekromanten ein erwartendes Lächeln.

„Wenn ein Verstorbener damit einverstanden ist, werde ich es tun“, meint Xenos. „Aber ich kann ihnen so kein zweites Leben schenken. Ohne einen Körper sind sie nicht frei. Sie sind immer an meine direkte Umgebung gebunden oder an einen festen Ort. Einen Zauber, um sie an die Nekropole zu binden, habe ich jedoch noch nicht gelernt.“

Yuki manifestiert seinen Körper und sein durchscheinendes Aussehen verschwindet: „Lucien kann ihnen Körper schenken. Und ohne seine Laterne hat er keine Kontrolle über sie. Außerdem verwesen seine Körper nicht weiter. Die anderen Nachteile des Rituals zur Wiedererweckung wären auch beseitigt.“

„Du würdest Hilfe von ihm annehmen?“, fragt Xenos stutzig. „Er ist schuld an der Auslöschung deiner Eltern.“

„Ich hasse ihn dafür“, stellt der Junge klar. „Aber die Möglichkeit, die er hat, ist eine bessere Alternative, die Verstorbenen zurückzuholen, als dein Wiedererweckungsritual.“

Xenos seufzt: „Es ist weit entfernt von einem perfekten Zauber. Das stimmt. Aber nur deshalb war es mir möglich, es überhaupt zu lernen. Es ist nichtsdestotrotz der schwerste Zauber, den ich beherrsche. Hätte ich einen Lehrer, wäre meine Magie sicher schon viel ausgereifter.“

„Mein Papa hatte einen guten Eindruck von dir. Er hätte dir sicher sein Wissen als Nekromant weitergegeben“, versucht Yuki Xenos aufzumuntern.

Der Junge bedankt sich: „Es wäre mir eine Ehre gewesen, vom letzten Fürsten des Blutquelltales und Nekromanten von Falkenbach zu lernen. Es tut mir noch immer leid, was ihm und deiner Mama widerfahren ist.“

„Das ist nicht deine Schuld. Lucien hatte sie und mich unter Kontrolle. Hätte deine Köchin Zara das Geisterfeuer nicht genutzt, um uns zu töten, hätten wir sie getötet. Sie hatte keine Wahl.“

„Mag sein“, antwortet Xenos. „Wäre ich aber damals in Inekoria nicht auf Lamilia hereingefallen, wäre alles anders gekommen. Deine Eltern würden noch existieren, meine nekromantische Gabe wäre noch ein Geheimnis und die Dämonenfürsten hätten ihren finalen Schlachtzug noch nicht gestartet.“

„Hätte ich Lamilia bereits in Inekoria angegriffen oder Lucien bereits bei unserer ersten Begegnung in Traugard besiegt, wäre ebenfalls vieles anders gekommen“, meint Nekomaru mit einem Schulterzucken. „Du kannst nicht in die Zukunft sehen. Alles, was wir heute unternehmen, kann irgendwann Konsequenzen haben. Sich darüber jedes Mal Gedanken zu machen führt aber zu nichts. Wir sollten immer im Hier und Jetzt leben.“

„Es ist nicht alles schlecht, was geschehen ist“, fügt Yuki an. „Wir hätten uns nie kennengelernt, Nekropole Falkenbach wäre immer noch ein vergessener Ort mit unglücklichen Bewohnern und, auch wenn es anders war als ich erwartet habe, ich hätte meine Schwester Lamilia noch immer nicht wiedergesehen.“

Xenos schaut hinab zu Yuki: „Du und deine Eltern wussten jahrhundertelang nicht, was mit Lamilia geschehen war. Das muss schwer für euch gewesen sein. Ihr wusstet nie, ob sie die Nekromantenverfolgungen überlebt hat oder nicht.“

„Als wir verhaftet wurden und im Verlies auf unsere Hinrichtung warteten, waren wir schon besorgt um Lamilia. Aber meine Eltern waren auch froh, dass sie nicht bei uns war. Das hätte ihren sicheren Tod bedeutet. Dort draußen bestand für sie zumindest eine Chance zu überleben. Nachdem wir auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurden und unsere Seelen ins Totenreich zogen, veränderten sich unsere Gefühle im Laufe der Jahre. Wir haben sie nie gefunden und sehr vermisst. Ihr Leben in Atra-Regnum muss schwer gewesen sein. Allein dass sie zu uns, der Nekromantenfamilie der Nekropole Falkenbach, gehörte, machte ihr Leben gefährlich.“

Xenos schüttelt mitfühlend den Kopf: „Während der Nekromantenverfolgungen in der zweiten Ära reichte es aus, mit Nekromanten verwandt zu sein. Selbst wenn man selbst die Gabe nicht besaß, wurde man gejagt wie ein Tier. Du bist ein trauriges Beispiel dafür. Es reichte aus, dass du der Sohn von Nekromanten warst. Aus Angst und Unwissenheit verbrannte man dich gleich mit ihnen.“

Stumm hören Elias und Nekomaru den beiden zu. Für Nekomaru stellt sich bei diesen Schilderungen wieder einmal die Frage, ob die Menschen und andere Völker wirklich viel besser sind als Dämonen. Sie scheinen durchaus genauso grausam sein zu können. Eine schreckliche Eigenschaft, wie ihm doch immer wieder vorgehalten wird. Das lässt die Menschen in solchen Situationen gar scheinheilig wirken.

Schließlich erreichen Xenos, Nekomaru, Elias und Yuki das hoch über der Stadt auf dem Bergplateau liegende Anwesen. Das alte, schlossartige Gemäuer ist seit einigen Wochen ihr neues Zuhause. Von den vielen Räumen nutzen sie jedoch nur einen Bruchteil. Der Rest bleibt weiterhin verlassen, aber keinesfalls vergessen. Auch nachdem Falkenbach seine Fürstenfamilie verloren hatte, pflegten die Bewohner die Räumlichkeiten weiter. Nun, wo es eine neue Familie bewohnt, kommen sie dem noch immer nach.

„Der Besuch wartet oben im Saal“, verabschiedet sich Elias vor der Tür. „Lasst ihn nicht mehr zu lange warten.“

Gespannt, wer sie denn erwarten wird, betreten Xenos und Nekomaru das Haus und begeben sich in die obere Etage. Gemeinsam öffnen sie die Flügeltür hinein in den großen Bankettsaal. Die Augen der Kinder werden weit, als sie an der großen Tafel entlangblicken. An der Stirnseite, auf dem normalerweise Xenos vorbehaltenen Stuhl, sitzt eine bekannte, groß gewachsene Gestalt. Seine markanten, orangen Haare und die roten Gewänder mit den Motiven von lodernden Flammen sind typisch für Ignis, den Dämonenfürsten des Feuers. Seit er und seine Truppen bei der Verteidigung der Kaiserstadt halfen, hat Xenos von ihm nichts mehr gehört. Nekomaru hatte dem Nekromanten erzählt, dass Heres ihn für seinen Verrat in ein kristallines Gefängnis verbannte. Nun ist er jedoch wieder da und unterhält sich mit der neben ihm sitzenden Azarni, Xenos‘ Mutter. Diese versucht ihr Bestmöglichstes, ihre Gastfreundschaft zu zeigen. Man merkt ihr aber ihr Unbehagen an.

Als Xenos und Nekomaru eintreten, unterbricht der Fürst das Gespräch und sein Blick schnellt zu den beiden Kindern. Auch Azarni wirft ihrem Sohn Xenos ein freundliches Lächeln zu. Ignis erhebt sich mit einem Satz. Mit hallenden Schritten kommt er auf die beiden zu.

„Xenos, mein Junge, du hast auf dich warten lassen“, spricht er mit leicht ironischem Unterton. „Und das kleine Biest von Heres beehrt mich auch.“

„Was willst du hier?“, wirft Nekomaru seinem ehemals verfeindeten Onkel unfreundlich entgegen.

Schwungvoll breitet Ignis seine Arme aus und geht auf Nekomaru zu, um ihn zu umarmen: „Keine Sorge, hihi. Ich habe von deinem Gesinnungswechsel gehört. Wir sind doch nun Freunde. Kein Grund also für alte Feindseeligkeiten.“

Nekomaru weicht mit Unbehagen zurück. Kichernd senkt Ignis seine Arme und bleibt vor den beiden stehen.

„Es ist schön Euch wiederzusehen“, klinkt sich Xenos ein. „Mit Eurem Besuch hätte ich nicht gerechnet. Nekomaru meinte, Ihr wärt von Heres gefangengenommen worden.“

„Oh ja, das wurde ich“, wandert der Blick des Dämonen wieder zu Nekomaru. „Meine Gefangennahme amüsierte nicht nur Heres.“

Nekomarus Augen werden schmal. Die angespannte Beziehung zwischen den beiden ist deutlich zu spüren.

Xenos stellt sich zwischen sie: „Und wie seid Ihr dann nach Falkenbach gelangt?“

Ignis lacht: „Nachdem Heres‘ Teufelchen zum Engelchen werden wollte, hat sich Heres dazu entschieden, es ihm gleich zu tun und hat mich freigelassen. Er scheint seinen Ziehsohn mehr zu lieben als ich ihm je zugetraut hätte, hihi. Der Dämonenfürst der Erde scheint wirklich alles zu tun, um ihn glücklich zu machen. Nun ja, ab da war ich wieder ein freier Dämon. Doch die Arbeit ist natürlich aufgelaufen. Seither bin ich damit beschäftigt, das Chaos in meiner Domäne wieder zu beseitigen.“

Nach einem Moment der Stille erinnert Xenos: „Das beantwortet noch nicht die Frage.“

„Ganz ruhig mein Kind. Ich war auch noch nicht fertig, hihi. Aber um es kurz zu fassen: Im Radonum Forst existieren mittlerweile unzählige Tore ins Reich der Toten. Sangras Streitmächte verlieren den Überblick. Da war es einfach, sich durch eines heimlich in eure Welt zu schleusen. Ein weiterer Katzensprung war es dann bis zu euch.“

„Heimlich?“, fragt Xenos nach.

„Hach“, seuzt Ignis. „Domänen wie meine oder die von Heres werden streng überwacht. Aktionen wie eigene Tore zu öffnen oder bereits größere Portale zu erschaffen würden schnell bemerkt werden. Unnötiger Ärger, wenn man sich auch einfach für eine Weile davonschleichen kann.“

Stille kehrt sein. Dann hebt der Dämonenfürst des Feuers seinen knorrigen Zeigefinger.

„Ach ja, weshalb ich hier bin. Ich brauche eure Hilfe. Eine gut ausgerüstete Gruppe von Wilderern jagt in Neogena einen meiner letzten Phönixe. Ihr müsst sie aufhalten!“

„Wenn du schon hier bist, warum machst du es dann nicht selbst?“, entgegnet Nekomaru.

Ignis zuckt mit den Schulern: „Ich will keine Aufmerksamkeit erregen, hihi. Jäger, die von der Jagd auf einen Phönix nicht zurückkehren? Eine Intervention meinerseits liegt nahe. Aber wenn dann herauskommt, dass es der prophezeite Junge und sein kleiner Kumpan waren, bin ich fein raus.“

Xenos zögert: „Ich fürchte, dafür haben wir momentan keine Zeit. Falkenbach steht kurz vor einer Invasion durch die Inquisition oder Sangras Armeen.“

„Ich habe vergessen zu erwähnen, dass ihr nicht leer ausgehen werdet. Im Austausch für eure Hilfe biete ich Informationen, hihi.“

Nekomaru runzelt die Stirn: „Was für Informationen?“

Ignis kichert: „Ich weiß mit eindeutiger Sicherheit, wo Nidhörun derzeit Ayame versteckt. Und zufällig ist auch das Dämonenschwert dort zu finden.“

Xenos‘ Augen weiten sich: „Woher wisst Ihr davon?“

Der Dämon beugt sich zu den beiden hinab und flüstert: „Der Ifrit in Nidhöruns ehemaligem Zirkus, Krustsho, ist meinem Bruder vielleicht nicht ganz so treu wie er vorgibt zu sein, hihi. Die Gelegenheit, Nidhöruns gänzliche Unwissenheit zu nutzen, ist wohl die beste Chance, die ihr je haben werdet, um Ayame zurückzubekommen.“

Der Nekromantenjunge atmet entschlossen ein: „Wir werden Euren Phönix beschützen.“


Geschrieben von: Mika
Idee von: Mika
Korrekturgelesen von: May
Veröffentlicht am: 01.08.2020
Zuletzt bearbeitet: ———-
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